20 Prozent aller Bitcoin verloren – Wie kann das sein und was folgt daraus?

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Schätzungsweise gelten 20 % aller jemals geminten Bitcoin im Wert von aktuell über 100 Milliarden US-Dollar als verloren​​. Kann das wirklich sein?

Verloren oder inaktiv gehalten?

Die Gesamtmenge von Bitcoin (BTC) ist auf 21 Millionen Coins begrenzt, von denen bis heute etwa 19,48 Millionen in Umlauf sind. Es gibt unterschiedliche Schätzungen zum Anteil an verlorenen Bitcoin, die je nach Quelle bis zu 6 Mio. Bitcoin bzw. 31 % reichen.  

Der Frage nach den verlorenen Bitcoins ist das Team von ReWallet mit einer eigenen Analyse nachgegangen und hat alle Bitcoin-Adressen mit Guthaben überprüft.

Dabei wurde festgestellt, dass insgesamt 3,84 Millionen Bitcoin seit 7 Jahren nicht mehr bewegt worden sind. Dies entspricht etwa 20 % der 19,4 Millionen Bitcoin im Umlauf. Aber nicht alle Bitcoin, die seit 7 Jahren nicht mehr bewegt wurden, sind zwangsläufig verloren. Einige Adressen werden wahrscheinlich von ihren Besitzern bewusst über lange Zeiträume inaktiv gehalten. Die Analyse hat jedoch auch ergeben, dass die Anzahl der nicht bewegten Bitcoin auf 5,49 Millionen steigt (28 % aller im Umlauf befindlichen Bitcoin), wenn wir den Zeitraum der Inaktivität auf 5 Jahre festlegen, d.h. eine Zunahme von 1,65 Millionen Bitcoins im Vergleich zum Zeitraum von 7 Jahren. Es wird angenommen, dass ein Teil dieser Bitcoins auch verloren gegangen ist.

Quelle: ReWallet

Geht man davon aus, dass sich die gegenläufigen Effekte von einerseits bewusst langer inaktiver Lagerung und andererseits Verlusten in der jüngeren Vergangenheit gegenseitig aufheben, erscheint 20 % in der Tat als realistischer Wert.

Aber wie kann es überhaupt zu einem Verlust von Bitcoin kommen?

Bitcoin wird durch private Schlüssel kontrolliert, die ähnlich wie physische Schlüssel den Zugang zu einem Safe oder Tresor ermöglichen. Geht der private Schlüssel verloren, kann über die Bitcoins an der zugehörigen Adresse nicht mehr verfügt werden. Sie sind damit de facto verloren.

Der Verlust von privaten Schlüsseln kann verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören Dokumentationsmängel, Unachtsamkeit, Pech, Nutzerfehler, Sicherheitsrisiken bei Drittanbietern, versehentlich falsche Transaktionen oder auch unzureichende Nachlassplanung​.

In den Anfangsjahren von Bitcoin war die Wallet-Software noch unausgereift und hatte verschiedene Bugs und Schwachstellen, die zum Verlust von Bitcoin führen konnten. Hinzu kam, dass viele Nutzer ihre Computer oder Festplatten, auf denen ihre Bitcoin-Wallets gespeichert waren, ohne Backup entsorgten. Auch in den folgenden Jahren war der Wert von Bitcoin noch so gering, dass eine sichere Verwahrung häufig vernachlässigt wurde. So machten viele Nutzer weiterhin keine Backups ihrer Wallets. Wenn beispielsweise der Computer ausfiel, Daten versehentlich überschrieben wurden oder eine Festplatte beschädigt wurde, war der Zugriff auf die in der Wallet gespeicherten Bitcoin-Schlüssel verloren.

Mit zunehmender Verbreitung von Bitcoin und steigenden Kursen wurde die sichere Verwahrung immer wichtiger. Für Nutzer, die ihre privaten Schlüssel selbst verwalten wollten (sogenannte „Non-Custodial Wallets“), stellte sich jedoch das Problem der Benutzerfreundlichkeit. Das Verwalten von privaten Schlüsseln ist eine technisch anspruchsvolle Aufgabe und Unachtsamkeit oder Fehler können schnell zum Verlust von Bitcoin führen.

Zur Veranschaulichung kann das Passwort als Beispiel dienen. In der Regel besteht bei Online-Diensten die Möglichkeit, ein Passwort zurückzusetzen, meist durch Beantwortung einer Sicherheitsfrage oder durch eine andere Bestätigung der eigenen Identität. Bei einem Non-Custodial Wallet gibt es diese Möglichkeit nicht. Es gibt weder eine “Passwort vergessen”-Funktion noch einen Kundenservice, der das Passwort zurücksetzen kann. Der Verlust des Passworts bedeutet den Verlust des Zugangs zum Wallet und damit den Verlust der Bitcoin.

Börsen und „Custodial Wallets“ bieten eine benutzerfreundlichere Lösung, da sie die technischen Aspekte der Schlüsselverwaltung übernehmen. Anstatt sie selbst zu verwahren, vertrauen die Nutzer ihre privaten Schlüssel diesen Diensten an, die die Schlüssel dann in ihrem Namen speichern und verwalten. Auf diese Weise können Nutzer Kryptowährungen kaufen, verkaufen und tauschen, ohne sich direkt um die Verwaltung der privaten Schlüssel kümmern zu müssen.

Diese Bequemlichkeit ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Indem man seine Kryptowährungen einer Börse oder einem Custodial Wallet anvertraut, wird diese zu einer zentralen Angriffsfläche für Hacker. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, können Sicherheitslücken bei diesen Dienstleistern zu massiven Verlusten führen.

Ein berüchtigtes Beispiel für solche Sicherheitslücken ist Mt. Gox, die einst größte Bitcoin-Börse der Welt. Im Jahr 2014 führte ein massiver Hack zum Diebstahl von fast 740.000 Bitcoin, was zu diesem Zeitpunkt etwa 6 % aller im Umlauf befindlichen Bitcoins entsprach.

Eine weitere und zunehmende Ursache für den Bitcoin-Verlust ist das Fehlen einer geeigneten Nachlassplanung. Bitcoin gehen verloren, wenn der Besitzer verstirbt, ohne seinen privaten Schlüssel weiterzugeben oder sicherzustellen, dass der private Schlüssel vom vorgesehenen Empfänger wiederhergestellt werden kann.

Was folgt daraus für Bitcoin?

Die Auswirkungen dieser Verluste auf den Markt, die Nutzer, das Netzwerk und den Wert von Bitcoin sind vielfältig.

Da die Menge an Bitcoin begrenzt ist, bedeutet der Verlust in beträchtlicher Anzahl, dass der Wert der verbleibenden Coins steigen könnte, sofern die Nachfrage konstant bleibt oder steigt. Knappheit ist ein Schlüsselfaktor für den Wert von Bitcoin. Andererseits könnte die Liquidität des Bitcoin-Marktes negativ beeinflusst werden. Wenn weniger Bitcoins tatsächlich zum Kauf und Verkauf zur Verfügung stehen, könnte das Handelsvolumen sinken und es schwieriger werden, große Mengen an Bitcoins zu kaufen oder zu verkaufen, ohne den Markt zu beeinflussen. Dies könnte wiederum zu einer höheren Preisvolatilität führen.

Direkte Auswirkungen auf die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks sind nicht zu erwarten, da die Sicherheit nicht von der Menge der im Umlauf befindlichen Bitcoin abhängt. Allerdings stellt der signifikante Verlust von Bitcoin ein potenzielles Risiko für das Vertrauen in das Netzwerk dar, auch wenn die Verluste nicht auf das Bitcoin-Protokoll oder die Blockchain-Technologie als solche zurückzuführen sind.

Aus Nutzersicht wird die entscheidende Bedeutung einer sicheren und verantwortungsvollen Verwahrung deutlich. Für private Nutzer bedeutet dies, die Technologie und die Bedeutung privater Schlüssel zu verstehen, sicherzustellen, dass diese sicher aufbewahrt und regelmäßig gesichert werden, und nur vertrauenswürdige Plattformen für den Handel und die Verwahrung von Bitcoin zu nutzen. Darüber hinaus ist es wichtig, stets wachsam gegenüber möglichen Sicherheitsbedrohungen zu bleiben und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um die eigenen Bitcoin zu schützen.

Bruno Krauß ist der CTO und Geschäftsführer von ReWallet, einem Berliner Unternehmen, welches sich auf die Wiederherstellung von Krypto-Wallets spezialisiert hat. In seiner Funktion ist er für die technische Umsetzung der Wallet-Wiederherstellung zuständig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit publiziert er regelmäßig Beiträge, die Anlegern und Nutzern von Kryptowährungen dabei helfen sollen, einen sicheren Umgang mit der Technologie zu erlernen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt weder eine Rechtsberatung noch eine Investitionsberatung dar. Die Ansichten, Gedanken und Meinungen, die hier geäußert werden, sind allein die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten und Meinungen von Cointelegraph wider.




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