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Milliardeninvestitionen und ein rasant wachsender Schuldenberg schrecken den Markt normalerweise ab. Bei Oracle passiert derzeit das Gegenteil. Die Aktie des Softwarekonzerns verzeichnet eine kräftige Erholung und legte in den vergangenen fünf Tagen um 14 Prozent zu. Ein Mix aus neuen KI-Produkten und starken Quartalszahlen treibt die Bewertung nach oben.
Agentic AI als neuer Wachstumstreiber
Der Konzern positioniert sich aggressiv im Markt für sogenannte Agentic AI. Diese Systeme erledigen komplexe Aufgaben in Bereichen wie Finanzen, Personalwesen oder Lieferketten nahezu ohne menschliche Aufsicht. Oracle integriert diese Werkzeuge nun direkt in seine bestehende Cloud-Infrastruktur.
Die Strategie dahinter ist klar. Kunden sollen durch die neuen Anwendungen mehr Rechenleistung und Speicherplatz buchen. Gelingt dies, wandelt sich der hohe Auftragsbestand in verlässliche wiederkehrende Einnahmen. Der adressierbare Markt für diese Technologie soll bis 2034 auf knapp 200 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Analysten loben Cloud-Transformation
Fundamentale Daten untermauern den jüngsten Kursaufschwung. Im dritten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn je Aktie übertraf mit 1,79 US-Dollar die Erwartungen der Wall Street.
Besonders das Cloud-Geschäft entwickelt sich rasant. Mit einem Plus von 44 Prozent steuert diese Sparte mittlerweile mehr als die Hälfte der gesamten Konzernerlöse bei. Oracle vollzieht damit erfolgreich den Wandel vom klassischen Datenbankanbieter zum Cloud-Infrastruktur-Dienstleister.
Marktbeobachter reagieren positiv. Guggenheim Securities stuft die Papiere als stark unterbewertet ein und verweist auf den massiven Auftragsbestand sowie künftige Cashflows aus dem KI-Geschäft. CreditSights hob die Empfehlung auf „Outperform“ an, merkt allerdings ein binäres Risiko im Zusammenhang mit OpenAI an.
Hohe Schulden und geopolitische Risiken
Die aggressive Expansion hat ihren Preis. Die langfristigen Verbindlichkeiten kletterten zuletzt auf fast 125 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Schritt stiegen die Zinsaufwendungen deutlich an. Der freie Cashflow ist aufgrund gigantischer Investitionen in die KI-Infrastruktur tief negativ.
Parallel dazu formieren sich juristische und geopolitische Widerstände. Eine im Februar eingereichte Sammelklage wirft dem Management vor, Investoren über die Machbarkeit der KI-Investitionsstrategie getäuscht zu haben. Im Nahen Osten rückte ein Oracle-Rechenzentrum in Dubai ins Visier der iranischen Revolutionsgarden.
Anfang Juni legt Oracle die Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vor. Dann rücken konkrete Daten zur Cloud-Dynamik und den weiteren Investitionsplänen in den Fokus. Die Spanne der Analysten-Kursziele reicht aktuell von 160 bis 400 US-Dollar. Diese extreme Diskrepanz spiegelt die zentrale Debatte am Markt wider: Entweder wandeln sich die massiven Infrastruktur-Wetten in hochprofitable Cloud-Umsätze, oder die Schuldenlast bremst die Erholung aus.
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