Vor vier Monaten kam es bei digitalen Vermögenswerten nach meiner Einschätzung zum folgenreichsten Liquidationsereignis ihrer bisherigen Geschichte. Am 10. Oktober 2025 wurden innerhalb weniger Stunden gehebelte Positionen im Volumen von mehr als 19 Milliarden US-Dollar aufgelöst. fiel dabei von rund 122.000 auf 105.000 US-Dollar. Insgesamt wurden mehr als 1,6 Millionen Händlerkonten liquidiert.
Der sogenannte Krypto-Crash vom 10.10. traf den Markt nicht nur kurzfristig. Er veränderte auch die psychologische Ausgangslage für Investoren im Kryptosektor nachhaltig.
Wie ich vergangene Woche bei PreMarket Prep erläuterte, notiert Bitcoin aus technischer Perspektive aktuell rund zwei Standardabweichungen unter seiner 20-Tage-Handelsnorm – ein Niveau, das in den vergangenen fünf Jahren lediglich dreimal erreicht wurde. Historisch betrachtet folgten auf vergleichbare Extremwerte häufig kurzfristige Erholungsphasen über die darauffolgenden 20 Handelstage.

Die Auflösung des japanischen Carry Trades – dessen Volumen auf rund 500 Milliarden US-Dollar geschätzt wird – dürfte die Marktschwäche im Januar und in diesem Monat zusätzlich verstärkt haben. Aus meiner Sicht liegt dieser Belastungsfaktor inzwischen jedoch weitgehend hinter uns.
Da weiterhin unter der Marke von 70.000 US-Dollar notiert – und damit rund 45 % unter seinem Allzeithoch -, stellen sich einige Investoren die Frage, ob die Ereignisse vom 10. Oktober die anhaltende Schwäche erklären.
Die kurze Antwort lautet: ja. Die vollständige Erklärung ist jedoch deutlich komplexer – und aus meiner Sicht wesentlich relevanter für zukünftige Portfolioentscheidungen.
Was tatsächlich geschah
Zur Einordnung: Der Crash vom 10.10. übertraf in absoluten Dollarbeträgen selbst den Zusammenbruch von FTX. Diese Dimension sollte man sich bewusst machen. Der Kollaps fiel deutlich größer aus als jener der damals zweitgrößten Kryptobörse. Allein Binance aktivierte seinen Versicherungsfonds in Höhe von 188 Millionen US-Dollar, um Forderungsausfälle abzufedern. Mehrere weitere Handelsplätze standen unter vergleichbarem Druck.
Als unmittelbarer Auslöser gilt vielfach die Ankündigung von Präsident Donald Trump, einen Zoll von 100 % auf chinesische Importe zu erheben – zusätzlich zum bereits bestehenden Satz von 30 %.
Der geopolitische Schock sorgte für breite Verunsicherung an den Märkten. Die stark gehebelte Marktstruktur im Kryptosektor verwandelte eine grundsätzlich erwartbare Korrektur jedoch in einen massiven Ausverkauf.

Der Einbruch machte zugleich grundlegende strukturelle Schwächen im Risikomanagement verschiedener Börsen sichtbar. Eine Plattform könnte dabei eine zentrale Rolle gespielt haben.
Der Binance-Faktor
Star Xu, Gründer und CEO von OKX, veröffentlichte kürzlich auf X eine ausführliche Darstellung seiner Sicht auf die Ereignisse vom 10.10.
Seiner Schilderung zufolge startete Binance eine aggressive Kampagne zur Nutzergewinnung und bot eine jährliche Rendite von 12 % auf USDe – einen synthetischen Dollar im Ethereum-Netzwerk. Gleichzeitig erlaubte Binance, USDe als Sicherheit mit derselben Behandlung wie etablierte Stablecoins wie USDT und zu hinterlegen.
Nach Einschätzung von Xu entstand dadurch eine problematische Anreizstruktur. Nutzer wurden motiviert, Bestände von USDT und USDC in USDe umzuschichten, um von den attraktiven Renditen zu profitieren – vielfach ohne sich der damit verbundenen, deutlich höheren Risiken bewusst zu sein.
In der Folge entwickelte sich eine klassische Hebel-Schleife. Erfahrene Marktteilnehmer nutzten die Möglichkeit, USDT in USDe zu tauschen, USDe als Sicherheit zu hinterlegen, zusätzliche USDT zu leihen und diese wiederum in USDe umzuwandeln. Dieser Kreislauf setzte sich fort. Laut Xu stiegen die APYs auf diese Weise künstlich auf 24 %, 36 % und zeitweise sogar auf über 70 %.
Mit zunehmender Volatilität verlor USDe schließlich rasch seine Bindung. Kaskadierende Liquidationen waren die unmittelbare Konsequenz. Der Verkaufsdruck mündete in eine typische Abwärtsspirale, in der Zwangsverkäufe weitere Nachschussforderungen auslösten – und damit neue Zwangsverkäufe.
Binance weist jede Verantwortung für den Crash zurück. Auf einer Kryptoveranstaltung in der vergangenen Woche machte Co-CEO Richard Teng ausschließlich Trump für die Turbulenzen verantwortlich. Unstrittig bleibt jedoch: Werden hoch gehebelte Kontrakte in einem Umfeld zugelassen, in dem Stop-Loss-Marken angreifbar sind und Risikokontrollen nur eingeschränkt greifen, entsteht ein hochsensibles Marktgefüge. In einer solchen Konstellation genügt oft ein einzelner Auslöser.
Der psychologische Schaden
Der 10. Oktober löschte nicht nur Positionen aus, sondern erschütterte auch das Vertrauen vieler Marktteilnehmer. Das Ereignis markierte den Höhepunkt der Bitcoin-Bewegung nahe 126.000 US-Dollar und verstärkte Unsicherheiten, die bis heute nachwirken.
In den darauffolgenden Wochen wurden deutliche Mittelabflüsse aus ETFs verzeichnet. Besonders betroffen waren Privatanleger, die zuvor über Futures und Margin-Kredite eingestiegen waren, als Bitcoin neue Höchststände erreichte. Mehr als 1,6 Millionen Einzelkonten wurden liquidiert – ein erheblicher Teil davon kleinere Marktteilnehmer.
Der erneute Ausverkauf in diesem Monat, der beim Rückgang von 70.000 auf 60.000 US-Dollar den größten realisierten Verlust in der Geschichte von Bitcoin verursachte, wurde von einem Analysten als „Lehrbuchbeispiel einer Kapitulation“ bezeichnet. Die Bewegung erfolgte schnell, bei hohem Handelsvolumen, und führte zur Realisierung von Verlusten bei den am wenigsten überzeugten Haltern.
Warum ich langfristig positiv bleibe
Trotz der anhaltenden Nervosität an den Märkten bleibe ich langfristig zuversichtlich, da sich die Fundamentaldaten weiterhin robust darstellen.
Die institutionelle Akzeptanz hat sich spürbar beschleunigt. Unternehmensbestände an Bitcoin – häufig als Digital Asset Treasury (DAT)-Gesellschaften bezeichnet – belaufen sich inzwischen auf mehr als 1,1 Millionen BTC. Das entspricht 5,7 % des Gesamtangebots und einem Gegenwert von rund 90 Milliarden US-Dollar. Strategy (früher MicroStrategy) hält davon allein eine Position im Umfang von 3,5 % des gesamten Bitcoin-Angebots.
Bemerkenswert ist zudem, dass Institutionen ihre Bestände im Januar trotz des herausfordernden Preisumfelds um etwa 43.000 Bitcoin ausgebaut haben.

Die strategische Bitcoin-Reserve der USA beläuft sich inzwischen auf mehr als 325.000 BTC – der weltweit höchste staatliche Bestand und entsprechend 1,6 % des Gesamtangebots.
Staaten akkumulieren damit zunehmend Bitcoin – vergleichbar mit den bekannten Mustern bei Goldreserven. Parallel dazu bauen auch große Unternehmen ihre Positionen weiter aus.
Das Fazit
Ich habe Bitcoin häufig als „digitales Gold“ beschrieben. Als klassischer sicherer Hafen ist die Anlage aus meiner Sicht jedoch noch nicht vollständig etabliert. Institutionelle Investoren ordnen Bitcoin weiterhin überwiegend als Risikoanlage ein.
War der 10. Oktober ein wesentlicher Faktor für die anhaltende Schwäche? Meine Einschätzung lautet: ja. Der Crash stellte einen signifikanten strukturellen Schock dar, löschte gehebelte Positionen aus und führte zu einer notwendigen, wenn auch schmerzhaften Entschuldung.
Haben aggressive Marketingkampagnen einzelner Plattformen zur Entwicklung beigetragen? Auch hier fällt meine Bewertung eindeutig aus. Werden Nutzer dazu verleitet, ein tokenisiertes, hedgefondsähnliches Produkt wie einen Stablecoin zu behandeln und darauf nahezu unbegrenzten Hebel aufzubauen, steigen die systemischen Risiken erheblich.
So gravierend der Einbruch auch war – er könnte sich rückblickend als notwendige Bereinigung erweisen. Übermäßige Verschuldung muss mitunter aus dem System weichen, bevor eine neue Aufwärtsbewegung entstehen kann. Nach meiner Einschätzung befindet sich dieser Prozess inzwischen in der Endphase.
Sehen Sie hier mein Interview mit PreMarket Prep:
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Die Standardabweichung ist ein statistisches Maß für die Streuung von Datenwerten und zeigt, wie stark die einzelnen Werte im Durchschnitt vom Mittelwert abweichen.
Keiner der Fonds von U.S. Global Investors hielt zum 31.12.2025 die in diesem Artikel genannten Wertpapiere.
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