JPMorgan, DAX & Alphabet: Wenn Rekorde zur neuen Normalität werden – und niemand mehr überrascht ist

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News von Trading-Treff.de

Liebe Leserinnen und Leser,

25.508 Punkte – das sechste Allzeithoch des DAX seit Jahresbeginn. Alphabet durchbricht die 4-Billionen-Dollar-Marke. JPMorgan verdient 57 Milliarden Dollar im Jahr. Eigentlich Schlagzeilen, die Anleger elektrisieren sollten. Doch die Reaktion? Schulterzucken. Leichte Gewinnmitnahmen. Ein Gähnen an den Handelsplätzen. Was ist da los? Wir befinden uns in einer paradoxen Marktphase: Rekorde werden zur Routine, während gleichzeitig erste Warnsignale aufblinken. Heute schauen wir auf drei Geschichten, die zeigen, wie dünn die Grenze zwischen Euphorie und Ernüchterung geworden ist.

Frankfurts Höhenflug: Wenn die Hausse sich selbst nährt

Der DAX kratzt erneut an Bestmarken – und das mit einer Gelassenheit, die fast beunruhigend wirkt. Bei 25.508 Punkten markierte der Index am Dienstag sein sechstes Allzeithoch in nur 13 Handelstagen. Noch bemerkenswerter: Der HDAX, der die 110 größten deutschen Aktien umfasst, stieg den 14. Tag in Folge – die längste Gewinnserie seit seiner Auflage 1988.

Doch unter der glänzenden Oberfläche zeigen sich Risse. Die Put-Call-Ratio ist unter eins gefallen, ein klassisches Zeichen für Überhitzung. Gleichzeitig steigen die Prämien für Absicherungen am Terminmarkt. „Es wirkt, als würden nur positive Nachrichten gelesen, während negative ausgeblendet werden“, warnt QC Partners. Tatsächlich profitiert Frankfurt derzeit vor allem davon, dass internationale Investoren Geld aus den USA abziehen und nach Alternativen suchen. Doch was passiert, wenn diese Umschichtung abgeschlossen ist?

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Einzelne Gewinner stechen heraus: Symrise kletterte um 5 Prozent nach Ankündigung eines 400-Millionen-Euro-Aktienrückkaufs. Zalando legte 4,8 Prozent zu – offenbar in Erwartung starker Quartalszahlen. Auf der Verliererseite: Heidelberg Materials und SMA Solar, die unter Branchensorgen litten. Die Botschaft ist klar: Der breite Markt steigt, aber die Unterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern werden größer.

JPMorgan: Wenn 57 Milliarden Gewinn nicht reichen

Die größte US-Bank eröffnete die Berichtssaison mit Zahlen, die auf den ersten Blick beeindrucken. 182,4 Milliarden Dollar Umsatz im Gesamtjahr – drei Prozent über Vorjahr und über den Analystenerwartungen. Doch im vierten Quartal sank der Gewinn um eine Milliarde auf 13 Milliarden Dollar. Der Grund? Die Übernahme des Apple-Card-Geschäfts von Goldman Sachs zwingt JPMorgan, 2,2 Milliarden Dollar für drohende Kreditausfälle zurückzulegen.

Bankchef Jamie Dimon bleibt dennoch optimistisch und stellt für 2026 einen Zinsüberschuss von 103 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich mehr als die 100 Milliarden, die Analysten im Schnitt erwarteten. Seine Einschätzung zur Wirtschaft: „Die US-Wirtschaft ist widerstandsfähig geblieben. Die Verbraucher geben weiterhin Geld aus, und die Unternehmen bleiben insgesamt gesund.“

Die Börse reagierte verhalten: Die Aktie pendelte zwischen Gewinn- und Verlustzone, schloss letztlich leicht im Minus. Das eigentliche Signal: Selbst solide Zahlen und zuversichtliche Ausblicke reichen nicht mehr, um Anleger aus der Reserve zu locken. Die Erwartungen sind schlicht zu hoch geworden. Für deutsche Anleger bleibt JPMorgan dennoch ein Barometer für die Verfassung des US-Finanzsektors – und die zeigt sich robust, wenn auch nicht mehr spektakulär.

Alphabet im Vier-Billionen-Club: Google bekommt Apples Segen

Während JPMorgan mit irdischen Milliarden jongliert, spielt Alphabet in einer anderen Liga. Die Google-Mutter durchbrach erstmals die Marke von 4 Billionen Dollar Marktkapitalisierung und reiht sich damit hinter Nvidia, Microsoft und Apple in einen exklusiven Kreis ein. Der Katalysator? Eine mehrjährige KI-Partnerschaft mit Apple, die Googles Gemini-Modelle ins Herz von Siri bringt.

Apple begründete die Wahl nüchtern: Gemini biete „die leistungsfähigste Grundlage für die Apple Foundation Models“. Für Alphabet ist das ein strategischer Coup – Zugang zu über zwei Milliarden aktiven Apple-Geräten und ein klares Signal, dass Google im KI-Rennen mit OpenAI mithalten kann. Analysten von Citi bezeichneten Google daraufhin als „Top Pick“ für 2026.

Die Aktie legte daraufhin um über 1 Prozent zu, im vorbörslichen Handel am Dienstag weitere 0,85 Prozent. Analysten sehen im Schnitt noch 2,4 Prozent Aufwärtspotenzial bis zum durchschnittlichen Kursziel von 340,73 Dollar. Doch die eigentliche Frage lautet: Kann Google diesen Vorsprung halten, wenn die KI-Konkurrenz nicht schläft? Die Partnerschaft mit Apple ist ein Etappensieg – aber kein Endsieg.

Nebenschauplätze mit Signalwirkung

Nicht alle Nachrichten des Tages drehten sich um Rekorde. Die Lufthansa kündigte an, ab 2026 Starlink-Internet auf allen Flügen anzubieten – ein Milliardengeschäft für Elon Musks SpaceX und ein Zeichen, dass Konnektivität im Luftraum zum Wettbewerbsfaktor wird. Bis 2029 sollen alle 850 Flugzeuge der Lufthansa-Gruppe ausgestattet sein.

Siemens Energy bleibt derweil im Fokus der Analysten. Die Bank of America bestätigte ihr Kursziel von 170 Euro und erwartet für das erste Quartal deutlich bessere Zahlen als der Konsens. Treiber: Das Gasgeschäft mit erwarteten Aufträgen von 7,5 Milliarden Euro – 27 Prozent über den Markterwartungen. Die Windtochter Gamesa bleibt zwar eine Belastung, doch die Hoffnung auf Break-even bis Jahresende hält sich hartnäckig.

Und dann ist da noch BioNTech: Das Unternehmen gab auf der JPMorgan-Konferenz einen Ausblick auf 15 laufende Phase-3-Studien und sieben Datenveröffentlichungen in 2026. Zudem erhielt der Krebskandidat Gotistobart den Orphan-Drug-Status der FDA – ein regulatorischer Vorteil im Wettlauf um neue Onkologie-Therapien. Die Aktie legte vorbörslich 1,44 Prozent zu, Analysten sehen im Schnitt noch 38,9 Prozent Potenzial.

Was das für Sie bedeutet

Wir erleben gerade eine Phase, in der Rekorde zur Normalität werden – und genau das macht sie gefährlich. Wenn der DAX 14 Tage in Folge steigt, wenn Alphabet die 4-Billionen-Marke knackt, wenn JPMorgan 57 Milliarden verdient und die Märkte nur müde nicken, dann ist das kein Zeichen von Stärke. Es ist ein Zeichen von Sättigung.

Die kommenden Tage bringen wichtige Impulse: Am Mittwoch veröffentlichen die USA ihre Dezember-Inflationsdaten – eine Kennzahl, die über das weitere Tempo der Zinssenkungen entscheiden könnte. BioNTech legt am 2. Februar Zahlen vor, Siemens Energy am 11. Februar. Und die US-Banken setzen ihre Berichtssaison fort, mit Bank of America, Wells Fargo und Citigroup in den Startlöchern.

Für deutsche Anleger gilt: Genießen Sie die Rekorde, aber bleiben Sie wachsam. Die Put-Call-Ratio warnt, die Bewertungen sind ambitioniert, und die Abhängigkeit von US-Kapitalströmen macht den DAX anfällig für Stimmungswechsel. Nicht jeder Höhenflug endet sanft – manchmal folgt die Landung schneller als gedacht.

Bis morgen – und bleiben Sie kritisch,
Andreas Sommer

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